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MIKROBIOLOGISCHE FERIENSOUVENIRS

Immer öfter begleiten Hunde ihre Besitzer in die Ferien, oder es werden verwaiste Hunde aus südlichen Ländern mit nach Hause genommen. Mit den Tieren werden oft auch Krankheiten eingeschleppt, welche sich allmählich in unseren Breitengraden etablieren können. So finden wir in der Süd- und Westschweiz die Babesiose und im Tessin treten vereinzelt Fälle von Dirofilariose auf.

BABESIOSE / PIROPLASMOSE 

Der Erreger, Babesia canis, ist ein in den Erythrozyten parasitierendes Protozoon und wird durch Zecken übertragen. Ein bis drei Wochen nach der Infektion kommt es zu klinischen Symptomen. Die Krankheit kann nahezu symptomlos, bzw. perakut bis akut oder chronisch verlaufen. Je nach Schweregrad treten Fieber, Anorexie, Apathie, Anämie und oft Ikterus auf.

Eine akute Babesiose kann zu akutem Nierenversagen mit Ausscheidung von braunrotem Harn führen. Gerinnungsstörungen und Thrombozytopenie können ausgedehnte petechiale und flächenhafte Blutungen verursachen. Die Diagnose erfolgt mikroskopisch im gefärbten Blutausstrich von Kapillarblut (Ohr) und/oder serologisch durch den Antikörpernachweis (IFAT) im Serum ab ca. einer Woche p.i.

 

EHRLICHIOSE

Auch diese Erreger, eigentlich gramnegative Bakterien, werden durch Zecken übertragen. Man unterscheidet zwischen Ehrlichia phagocytophila, verantwortlich für die in der Schweiz vorkommende granulozytäre Ehrlichiose und Ehrlichia canis, Erreger der in Mittelmeerländern verrbreiteten monozytären Ehrlichiose. Klinisch läuft die Ehrlichiose klassischerweise in drei Phasen ab (akut-subklinisch-chronisch). Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen ist die akute Phase gekennzeichnet durch unspezifische Symptome wie Fieber, Apathie, Anorexie und oft Lymphadenomegalie. Tiere, welche den Erreger nichteliminieren können, entwickeln anschliessend eine symptomfreie subklinische Phase. Diese Phase kann Wochen bis Jahre (!) dauern. In der chronischen Phase variieren die klinischen Befunde von mild bis lebensbedrohlich. Beschrieben werden Apathie, Anorexie, Gewichtsverlust sowie Anämie und Blutungen infolge Thrombozytopenie (von Petechien bis zu lebensbedrohlichen Hämorrhagien). Oft tritt Ehrlichiose zusammen mit Babesiose oder Leishmaniose auf.

Die Diagnose erfolgt durch direkten Erregernachweis mittels Mikroskopie und PCR oder durch den Antikörpernachweis im Serum (IFAT).

 

LEISHMANIOSE

Leishmanien (L. infantum) sind einzellige Blutparasiten, die durch Sandfliegen der Gattung Phlebostomum übertragen werden. Es können Monate bis Jahre vergehen bis es zu klinischen Symptomen kommt. Die Krankheit verläuft meist chronisch progredient. Die Inkubationszeit  schwankt zwischen einigen Wochen und ca. sechs Monaten. Die Symptomatik ist sehr vielfältig. Generalisierte Lymphadenopathie, Gewichtsverlust, Muskelatrophie, reduzierte Belastbarkeit, Hepato- und Splenomegalie sowie intermittierendes Fieber treten häufig auf.

Als relativ typisch gelten Hautveränderungen mit Alopezie, jedoch ohne Juckreiz (Schuppen-, Borken- und Knötchenbildung an Ohrrändern, Nasenrücken, Nasenspiegel und Lidrändern) sowie abnormes Krallenwachstum.

Bei fortgeschrittener viszeraler Erkrankung ist eine Niereninsuffizienz zufolge einer Immunkomplex-Glomerulonephritis die häufigste Todesursache. Die labormässige Diagnosesteilung erfolgt durch den Nachweis einer Hyperproteinaemie sowie den mikroskopischen Erregernachweis in Lymphknoten- und Knochenmarkspunktaten oder durch den Antikörpernachweis im Serum (IFAT).

 

DIROFILARIOSE

Der Herzwurm Dirofilaria immitis wird durch verschiedene Arten von Stechmücken übertragen. Die Inkubationszeit kann Wochen bis Monate betragen. Wegen des Entwicklungszyklus über verschiedene Larvenstadien dauert es in der Regel mindestens sechs Monate, bis eine Dirofilariose im Blut nachgewiesen werden kann. Die adulten Parasiten finden sich bevorzugt in der rechten Herzkammer und in den von dort zur Lunge führenden Arterie.

Die Klinik reicht von leichtem Husten, Gewichtsverlust, Konditionsverlust bis hin zu schweren kardialen Symptomen (corpumonale Aszytes). Daneben sind bei leichterem Befall auch asymptomatische Fälle dokumentiert.

Die Labordiagnose beruht auf einem Antigenachweis im Serum mittels ELISA oder durch mikroskopischen Nachweis der Erreger mit dem Filtertest.

Bei allen Hunden unbekannter Herkunft, bei Hunden aus dem Ausland oder nach einem Ferienaufenthalt, sollte bei verdächtiger Symptomatik an diese Krankheiten gedacht werden. Man sollte auch nicht vergessen, dass solche Krankheiten kombiniert auftreten können.

Haben Sie alles verstanden??? 

Wenn Sie Symptome bei Ihrem Hund feststellen, kontaktieren Sie umgehend Ihren Tierarzt. Im Zweifelsfall den Arzt lieber einmal zu viel als zu wenig konsultieren. 

 

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